Empirische Bildungsforschung: Abendessen am Familientisch kann Leistung der Schüler verbessern

Empirische Bildungsforschung - Neue Pisa Studie über Kinder und Bedeutung von Familie
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Neue Pisa-Studie untersucht erstmalig das Wohlbefinden der Schüler

Bisher wurden bei der Pisa-Studie nur kognitive Leistungen überprüft. Bei der aktuellen Studie haben Bildungsforscher jedoch das erste Mal Augenmerk auf die Schüler und deren Wohlbefinden gelegt, um deren Zufriedenheit im Allgemeinen zu testen. Mit Kindern sollte geredet werden, äußerte sich Andreas Schleicher, ein Bildungsforscher, bei der Vorstellung der neuen Pisa-Studie. Denn es wurde bewiesen, dass Schüler und Schülerinnen, welche mit Eltern sprechen, durchaus zufriedener sind. Vor allem das gemeinsame Abendessen wirkt sich sehr positiv auf den geistigen Zustand der Schüler und Schülerinnen aus, so der Bildungsforscher. Dieser Artikel handelt daher um die neue Pisa-Studie im Allgemeinen und deren Ergebnisse, sowie Lösungsansätze.

Zusammenhänge der Leistung und Zufriedenheit der Schüler

Bereits seit dem Jahr 2000 wird mithilfe der Pisa-Studie die kognitiven Leistungen von 15-jährigen Schülern und Schülerinnen untersucht. Aus über 72 Ländern werden Schüler hinzugezogen um diese Studie durchzuführen. Laut Schleicher sei die aktuelle Studie jedoch die spannendste, da zum ersten Mal das Lernverhalten, sowie das Lernumfeld der Schüler mit einbezogen wurde. Im Grunde genommen kommt es zu einer Untersuchung des Wohlbefindens der Lernenden und dessen Auswirkung auf die Lernziele.

Es kann vermerkt werden, dass es ein Anliegen der meisten Schüler ist, in der Schule die besten Noten zu erzielen. Auch sei der Großteil der Schülerschaft mit seinem Leben sehr zufrieden. Was jedoch zur Aufmerksamkeit aufruft ist die Tatsache, dass viele Schüler sich in der Schule sehr einsam fühlen.

Zufriedenheit und Leistung in der Schule

Jedoch ist es nicht möglich in dieser Studie die Zufriedenheit als auch die Leistung der Schüler miteinander zu verbinden. Um dies genauer zu veranschaulichen: In Südkorea, China und Japan, erbringen Schüler trotz Unzufriedenheit die gewünschten Leistungen. In der Dominikanischen Republik und Mexico sind Schüler jedoch trotz möglichen schlechten Leistungen zufrieden.

Im Gegensatz zur Schweiz, den Niederlanden, Estland und Finnland sind Leistungen, als auch das Wohlbefinden weit über dem üblichen Durchschnitt der OEDC. In Griechenland und der Türkei werden schlechte Leistungen zusammen mit einem schlechten Wohlbefinden gefunden. Frankreich und Deutschland befinden sich jedoch in der Mitte der Statistik.

Aus dieser Studie geht nun klar hervor, dass das Elternhaus, sowie die Schule selbst sehr viel zum Wohlbefinden der Schüler beiträgt.

Es wurde festgestellt, dass folgende Faktoren enorm wichtig sind:

  • Eltern hören den Schülern zu
  • Es findet eine Unterstützung durch den Lehrers statt
  • Bewegung, sowie Sport
  • Freundschaftliche Unternehmungen

Negativ wirken sich folgende Faktoren aus:

  • Ein zu hoher Internetkonsum
  • Angst vor Prüfungen

Lehrer sind für mehr als nur Wissensübermittlung zuständig

Die Studie hat unter anderem ergeben, dass vor allem die Beziehung zum Lehrer zu einem gewissen Grad das Wohlbefinden des Schülers bestimmt. Der Großteil der Teilnehmer, welcher vom Lehrer unterstützt wird, sieht sich somit eher als Teil der Schule an als jene, die nicht unterstützt werden.

Prüfungsangst hat nichts mit Häufigkeit der Tests zu tun

Es geht in dieser Studie hervor, dass eine gewisse Akzeptanz und Zugehörigkeit positive Resultate erzielen. Wenn Lehrer Schülern mehr zutrauen, bzw. andere bevorzugen, wird dadurch eine gewisse Anspannung für die Lernenden entwickelt. Des Weiteren herrscht Anspannung beim Lernen, wenn der Lehrer einem Schüler weniger zutraut, als dieser eigentlich kann. Über 60 Prozent der Schüler beklagten sich darüber in der Studie. Laut Schleicher sollte Lehrern daher nicht nur die Position der Wissensübermittlung zustehen, sondern weitaus mehr. Das wesentliche Problem liegt jedoch darin, dass Lehrer in Deutschland zu viele Stunden absolvieren würden und demnach nicht viel Zeit für soziale Aktivitäten hätten.

In der aktuellen Studie ist die Prüfungsangst trotzdem hoch, auch wenn sich Schüler richtig vorbereiten. Über 40 Prozent haben demnach trotz Vorbereitung Angst bei einer Prüfung zu versagen.

International gesehen heißt dies sogar, dass über 50 Prozent von Prüfungsängsten betroffen sind. 66 Prozent der Jugendlichen sorgen sich, keine guten Noten zu bekommen. Aus der Studie geht außerdem hervor, dass mehr Mädchen unter einer solchen Prüfungsangst leiden, als Jungen.

Die Prüfungsangst in Deutschland

Ein Großteil der Schüler in Deutschland hat Angst vor schlechten Noten. Es geht außerdem hervor, dass eine Angst vor dem Schwierigkeitsgrad der Prüfung besteht. Viele Schüler fühlen sich demnach dem Ausmaß einer Prüfung nicht gewachsen. Auch bereits durchlebte, negative Ergebnisse bei Examen können die Angst der Schüler weiterhin verstärken. Aus diesem Grund verlieren diese Schüler an Selbstbewusstsein und trauen sich immer weniger zu. Infolgedessen sinkt auch die Leistung fatal.

Daher sollten Lehrer den Schülern unbedingt mehr Mut zusprechen, denn dies kann zu einer besseren Einschätzung der Leistungen helfen.

Zudem wurde herausgefunden, dass ein übermäßiger Internetkonsum von mehr als sechs Stunden als negativ empfunden wird. Jedoch gehen über 80 Prozent der Befragten davon aus, dass das Internet für die Informationsbeschaffung sehr ideal ist und gerne genutzt wird.

Erschreckend hohe Zahl an Mobbingopfer

Kaum überraschend ist jedoch das Ergebnis, dass Schüler, welche von Mobbing betroffen sind, um einiges unzufriedener waren. Demnach sehen diese sich nicht als Teil der Schulgemeinschaft, was die Zufriedenheit noch weiter sinken lässt.

Laut Schleicher ist die Zahl der Mobbingopfer erschreckend hoch. Über 15 Prozent der befragten Schüler in Deutschland geben bekannt, mehrere Male im Monat Opfer von Mobbing zu werden. Dazu zählen unter anderem Beschimpfungen, gemeine Witze, ausgeschlossen werden aus der Gesellschaft, sowie die Verbreitung falscher Gerüchte. In den schlimmsten Fällen werden Schüler sogar bedroht. OECD berichtet daher, dass rund jeder fünfte Schüler von Mobbing betroffen sei.

Unterstützung von Zuhause

Es ist jedoch erfreulich zu sehen, dass der Großteil der Schüler von zu Hause aus mit verschiedensten Mitteln unterstützt wird. Rund 90 Prozent der Teilnehmer gaben bekannt, dass ein tägliches Gespräch mit dem Kind bestehe. Weitere 80 Prozent der Befragten gaben an, dass gemeinsames Essen fast täglich vorkommt.

Leider muss jedoch angemerkt werden, dass die Pisa-Studie eine Schwäche aufweist, denn manche Eltern gaben den Fragebogen nicht zurück und somit konnte dieser nicht vollständig ausgewertet werden. Daraus lässt sich schließen, dass dies vermutlich die Eltern seien, welche ihre Kinder nicht wirklich unterstützen.

Was ist die GEBF – die Gesellschaft für Empirische Bildungsforschung?

Unter der GEBF (Gesellschaft für Empirische Bildungsforschung) wird eine Vereinigung von Wissenschaftlern verstanden, welche in der empiristischen Bildungsforschung aktiv sind. Die GEBF wurde 2012 gegründet und ist mittlerweile zu einer sehr aktiven Vereinigung von Bildungsforschern und Bildungsforscherinnen geworden.

Die Gesellschaft für Empirische Bildungsforschung setzt sich aus folgenden Mitliedern zusammen:
– dem Vorstand
– der Mitgliederversammlung
– dem Wahlausschuss
– sowie verschiedenen Ausschüssen

Ziel der Gesellschaft ist es, wissenschaftliche Ergebnisse zu verbreiten und Forschungen zu fördern. Vor allem Disziplinen sollen daher gestärkt werden, welche mithilfe von empirischen Methoden die Fragen zur Bildung erforschen.

Ziel- und Rahmenprogramm für die Empirische Bildungsforschung

Die Bundesforschungsministerin Johanna Wanka stellte am 24. Juli 2017 neue Rahmenprogramme der Öffentlichkeit vor. In Zukunft stehen vier Handlungsfelder im Mittelpunkt der Bildungsforschung. Es geht hierbei um eine Verbesserung von Gerechtigkeit in der Bildung allgemein, bis hin zu einer Verbesserung des Bildungssystems. Unter anderem werden Themen wie die Gestaltung und Nutzung von digitalen und technologischen Entwicklungen behandelt, sowie mit Heterogenität in den Bildungseinrichtungen.

GEBF – die Gesellschaft für Empirische Bildungsforschung Rahmenprogramm

Ein weiteres, zukünftiges Ziel der Empirischen Bildungsforschung liegt somit darin, die Bildungspolitik vor allem in der Praxis weiter zu stärken. Des Weiteren soll es zu einer Innovation und großräumigen Veränderung im Bildungswesen kommen. Ein sehr wichtiger Punkt der Bildungsforschung besteht in einem geregelten Transfer der Forschungsergebnisse in die Praxis. Daher ist eine Kooperation von Akteuren und Akteurinnen aus der Bildungspraxis, der Politik und Bildungsforschung nicht wegzudenken.

Des Weiteren werden Forschungsangaben, welche gefördert werden, um einiges stärker in Richtung Anwendung ausgerichtet. Die Bildungsforschung will zudem die hohen Standards an Qualität von empirischen und wissenschaftlichen Forschungen weiterführen. Für diese neuen Rahmenprogramme werden vom Bundesministerium für Forschung und Bildung rund 250 Millionen Euro über die nächsten fünf Jahre hinweg bereitgestellt. Interessant wird sein, welche Informationen auf der nächsten Jahrestagung der Gesellschaft für Empirische Bildungsforschung (7. Jahrestagung ist 2019 in Köln) als Fortschritte des neuen Rahmenprogrammes genannt werden. Einen passenden Abstract zu den verschiedenen bereits erfolgten Jahrestagungen finden Sie auf der Webseite der GEBF (Web: www.gebf-ev.de).

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