Nachbarinnen

Die verschlossene Dora lebt in einer Plattenbausiedlung in Leipzig. Die Menschen kennen sie, denn sie arbeitet als Paketzustellerin. Ihr Mann hat sie verlassen und Dora hat ihre Kontakte zu Nachbar und Nachbarinnen abgebrochen. Einzig mit ihrer Schwester und mit Conny tauscht sie sich aus.

Nachbarinnen [Special Edition]
  • Dagmar Manzel, Grazyna Szapolowska, Jörg Schüttauf (Schauspieler)
  • Franziska Meletzky (Regisseur)
  • Zielgruppen-Bewertung: Freigegeben ohne Altersbeschränkung

Mit der Polin Jola, die eines Nachts vor ihrer Tür steht, ändert sich für Dora ihr bisher geregeltes Leben. Sie nimmt die vermeintliche Mörderin bei sich auf. Anfangs nicht begeistert von der neuen Untermieterin, entwickelt sich zwischen den Frauen eine Freundschaft. Als Dora eines Tages erfährt, dass Jola nicht unter Mordverdacht steht, begeht sie einen großen Fehler. Denn durch eine Lüge riskiert sie, Jola zu verlieren.

Besetzung / Darsteller, Drehorte und Regie

Francis Meletzky, ist heute eine bekannte Regisseurin im deutschen Filmgeschäft. Bereits 2004 mit dem Frauendrama „Nachbarinnen“ ließ sich erahnen, welches Potential in ihr steckt. Es war ihr Debüt in der Kategorie „Langer Spielfilm“ und zugleich ihre Diplomarbeit an der Hochschule „Konrad Wolf“ in Potsdam-Babelsberg. „Nachbarinnen“ erhielt zwei Nominierungen. Zum einen für den „First Steps Award„, zum anderen für den „New Faces Award„. Meletzky ist bekannt für zahlreiche Kinofilme und Fernsehserien, wie beispielsweise „Frei nach Plan“ oder „Aenne Burda – Die Wirtschaftswunderfrau“.

Das Drehbuch zu „Nachbarinnen“ schrieb Elke Rössler, ebenfalls Studentin und Freundin von Francis Meletzky. Auch zu der Tragikomödie „Frei nach Plan“ fungierte sie als Autorin. Für den Soundtrack zuständig waren die Multi-Instrumentalisten Eike Hosenfeld und Moritz Dennis, die mit dem Filmorchester Babelsberg zusammenarbeiten. Die Kameraführung übernahm Alexandra Czok.

Besetzt wurde das Drama mit der deutschen Schauspielikone, Sängerin und Hörspielsprecherin Dagmar Manzel („Schtonk“), in der Rolle der Dora. Des Weiteren zu sehen war die Polin Grazyna Szapolowska, als Jola. Wie Manzel ist sie eine international bekannte Schauspielerin und wurde mit dem polnischen Filmpreis für das Historiendrama „Pan Tadeusz“ ausgezeichnet. Ein weiterer Protagonist ist der Jörg Schüttauf, ebenfalls kein unbekannter in der Filmbranche, als Nachbar Conny.

Uraufgeführt wurde Nachbarinnen am 27. Januar 2004 in Saarbrücken. Die Lauflänge beträgt 92 Minuten.

Zusammenfassung & Inhalt vom Film „Nachbarinnen“

Dora lebt in einer Plattenbauwohnung in Leipzig. Ihr Ehemann Stefan hat sie verlassen. Seither hat sie sich einen Schutzpanzer zugelegt. Sie ist unnahbar und hat sich isoliert. Zu ihren Nachbarn meidet sie so gut es geht den Kontakt, pflegt stattdessen ihre Kakteen und hat einen ordentlichen Putzfimmel entwickelt. Neben ihren Beruf als Paketzustellerin trifft sie sich manchmal mit ihrem Nachbarn Conny. Er ist ein zurückhaltender Mann und heimlich in Dora verliebt.

Auch mit ihrer jüngeren Schwester Linda telefoniert sie regelmäßig und hat mit ihr und ihren Mann einen gemeinsamen Urlaub in Spanien geplant. Ist Dora wütend, reagiert sie sich am Geschirr ab. Doch zerschmettert sie nicht einfach Gläser am Boden. Um Unordnung zu vermeiden, hat sie ihre eigene Taktik. Sie packt diese in eine Tüte und umwickelt das Ganze mit einem Handtuch und kann im Anschluss die Scherben problemlos entsorgen.

Im Haus befindet sich eine Kneipe, das „Bernds“. Vor kurzem arbeitet dort die lebenslustige Polin Jola. Sie ist illegal in Deutschland. Der Wirt selbst ist ein unangenehmer Zeitgenosse. Nachdem er sich Jola auf unliebsame Art nähert und sie ihn schroff abwehrt, eskaliert die Lage. Als er sie später beschuldigt Geld aus der Kasse gestohlen zu haben, kommt es zu Handgreiflichkeiten. Dabei löst sich aus der Waffe, die Bernd in der Hand hält, ein Schuss. Im Glauben ihn getötet zu haben, läuft Jola panisch weg und verstaucht sich dabei den Knöchel.

An diesem Abend verändert sich für Dora ihr zukünftiges Leben. Eine panische Jola klingelt an ihrer Tür. Völlig überrumpelt lässt sie die verstörte Polin in ihre Wohnung. Widerwillig lässt sie Jola übernachten. Als diese sie am nächsten Tag bittet noch eine Nacht bleiben zu dürfen, verschiebt sie ihren Besuch bei ihrer Schwester. Denn es war geplant, die Nacht vor dem Abflug nach Spanien bei ihr zu übernachten.

Und natürlich erscheint die Polizei im Haus. Doch Dora belügt sie und schützt ihre Nachbarin. Selbst Conny sagt sie nicht die Wahrheit. Denn schon längst hat sie eine gewisse Zuneigung zu der etwa gleichaltrigen Frau entwickelt. In ihren Gesprächen hat Jola es geschafft, die unterdrückten emotionalen Seiten von Dora wieder zum Leben zu erwecken. Sie genießt es, wie Jola ihr Wärme und Nähe vermitteln kann. Und langsam steigen in ihr Zweifel auf, ob es richtig ist, sich zu isolieren.

Für Dora ist es ein Schock, als sie erfährt, dass Bernd nicht tot ist. Außerdem erfährt sie, dass sich die Schuldzuweisungen gegen Jola sich nicht verhärteten, sondern dass der Gast Alex, dass Geld aus der Kasse entwendete. Für Dora eine Tragödie, denn sie hat Jola liebgewonnen und will nicht wieder verlassen werden. Kurzerhand sagt sie ihren Trip nach Spanien ab und belügt Jola, so dass diese weiterhin bei ihr bleibt.

Die Polin kommt jedoch hinter die Wahrheit und nach einem heftigen Streit verlässt sie Dora. Jola erfüllt sich ihren langersehnten Traum und begibt sich auf die Reise nach den Niederlanden. Und sie hat Dora unendlich viel gegeben. Nicht mehr mit ihrem Schicksal hadernd, sondern glücklich und zufrieden ist ein neuer Weg für sie frei. Vielleicht für eine Zukunft mit Conny?

Fazit & Kritiken zum Film „Nachbarinnen“

Mit „Nachbarinnen“ ist Franziska Meletzky ein kleines Meisterwerk gelungen. Starke Darsteller tragen den Film, allen voran Dagmar Manzel. In diesem Filmdebüt von Meletzky schafft sie es die Rolle der vereinsamten Dora prägnant und präzise zu verkörpern. Perfekt auch ihr Gegenpol, Grazyna Szapolowska, als Jola. Und nicht zu vergessen Bernd Schüttauf, als warmherziger Freund Conny.

Allein und zurückgezogen meistert die Leipzigerin Dora ihr Leben. Doch die Nachbarin Jola bringt ihren tristen Alltag gewaltig durcheinander. So wird aus der frustrierten Frau letztendlich ein Mensch, der wieder zurück ins Leben findet. „Nachbarinnen“ ist ein leiser und berührender Film. Mit den richtigen Gesten und Blicken braucht es oft keine Worte, um dem Zuschauer die momentanen Emotionen der Protagonisten zu vermitteln. Auch die musikalische Untermalung ist passend in den Film eingebaut.

Das Psychodrama ist ein durchwegs spannender und charmanter Film, der den Zuschauer positiv in Erinnerung bleibt.

Letzte Aktualisierung am 24.11.2021 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API