Wie hat man früher ohne Gefrierschrank Eis hergestellt?

Eiswürfel aus einer Eiswürfelmaschine zusammen mit Gummibären
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Jeder Mensch kennt das. Es ist Sommer, die Sonne scheint und es ist sehr warm. Wie gern wünscht man sich da ein leckeres Eis? In der heutigen Zeit ist es auch nicht schwer, sich ein Eis zu besorgen. Es gibt genug Eisdielen oder auch im Supermarkt ist die Auswahl an den verschiedensten Eissorten sehr groß. Eine weitere Möglichkeit der Neuzeit ist die Eiswürfelmaschine, die jederzeit beliebige Mengen an Eis produziert. Doch war es auch möglich ein Eis herzustellen und zu essen zu Zeiten, als es noch keine Gefrierschränke oder -truhen gegeben hat? Im Folgenden wird auf dieses Problem eingegangen.

Die Frühgeschichte und das Eis

Es ist noch nicht ganz ohne Zweifel herausgefunden worden, wo die Ursprünge von Eis gelegen haben. Es ist aber bekannt, dass höchstwahrscheinlich in Asien die erste Eisherstellung existiert hat. Schon bei den antiken Hochkulturen vor circa 3000 Jahren soll es in China geeiste Süßspeisen gegeben haben. Ein Nachweis dafür gab es, weil es zu diesen Zeiten Eiskeller gegeben hat. Diese Leckereien aus Eis entstanden aus den Eisvorräten in den Eiskellern und der Zugabe von Früchten, Fruchtsäften, Honig oder Zwiebeln und Gewürzen. Eine frische Zubereitung dieser geeisten Süßspeisen war vorausgesetzt. Zu dieser Zeit konnten aber nur wenige Menschen, insbesondere solche, die ein hohes Ansehen besessen haben, diese eisigen Leckereien genießen. Einer dieser Privilegierten war der chinesische Philosoph Konfuzius. Dieser hat um 500 v. Chr. einen eigenen Eiskeller bauen lassen.

Das Altertum und das Eis

Viele Jahrtausende lang galt Eis – zum Beispiel als Wassereis oder Sorbet – nur als Luxusgut, auf welches nur die Oberschicht zugreifen konnte. Im Griechenland der Antike wurde Eis sogar als Speise der Götter bezeichnet. Hippokrates (ein berühmter Arzt aus dieser Epoche) war auch der Meinung, dass Eis als eine belebende, kräftigende und schmerzlindernde Medizin genutzt werden kann. Demzufolge hat auch Alexander der Große sich und seine ranghöchsten Offiziere mit einem Gemisch aus Schnee- und Eis mit Honig oder gesüßtem Saft oder Wein vor einer Schlacht gestärkt.

Mehrere hundert Jahre später kamen auch die Kaiser und ebenso die vornehmen Bürger aus Rom in den Genuss dieser eisigen Süßspeisen. Die Basis hierbei war der Schnee von den Gipfeln und Gletschern der Alpen. Dieser wurde nur für die Herstellung von Eisspeisen geholt und dann erfolgte eine Lagerung in Erdgruben. Es war aber nur den Römern vergönnt, diese Mischung aus Eis und duftendem Wasser mit Aroma selbst zu genießen oder ihren Gästen anzubieten, die sehr wohlhabend gewesen sind. Zudem gab es eine Verfeinerung dieser geeisten Speise durch die unterschiedlichsten Gewürze. Aber auch an einer Dekoration aus Nüssen oder getrocknetem Obst hat es zu dieser Zeit nicht gemangelt.

Die frühe Neuzeit und das Eis

Der Venezianer Marco Polo galt gegen Ende des 13. Jahrhunderts als erster Wegbereiter für italienische Eisrezepte und Kältemischungen der frühen Neuzeit. Der Grund lag hier, dass er viele Rezepte und Kenntnisse von seinen ganzen langen Reisen (zum Beispiel China) mitgebracht hatte. Circa 200 Jahrhunderte später begeisterte dann eine halbgefrorene Mischung aus Zuckersirup, Zitronensaft und Eiskörnern die europäischen Könige. Bezeichnet wurde diese sizilianische Eisspezialität als Granita.

In Europa konnte dann in den folgenden hundert Jahren die Entwicklung einer frühen Eiskultur stattfinden. Besonders in Paris war dies ersichtlich. Zu der Zeit des so genannten Sonnenkönigs Ludwig XIV waren schon einige Rezepte mit Milchrahm zur Eisherstellung bekannt, darunter zählte zum Beispiel Schokoladen- und Vanilleeis. Dieser Herrscher erlaubte nur bestimmten „Limonadiers“ die Herstellung von den geeisten Süßspeisen.

Die Bedeutung von der Herstellung und dem Genuss von Speiseeis wurde ab dem 18. Jahrhundert zuerst in der USA und später auch in Deutschland immer größer. Die Präsidenten der USA Washington und Jefferson gehörten zu den ersten bekanntesten amerikanischen Eisliebhabern. In Deutschland waren es Goethe, Fürst von Pückler-Muskau und Bismarck, welche sich gerne ein Eis gegönnt haben. Im Jahr 1799 wurde die erste Eisdiele in Hamburg von Augustin Lancelot de Quatre Barbes eröffnet.

Der Eiskeller als eine Variante der Eisherstellung

Der Eiskeller besaß eine hohe Bedeutung für die Eisherstellung zu Zeiten, bevor es Gefrierschränke gegeben hat. Ohne diesen besonderen Ort konnten Speisen nicht gekühlt werden. Es hat sich hierbei um ein Bauwerk gehandelt, welches ganz oder auch nur teilweise unterirdischen Charakter besessen hat. Hier wurde Natureis gelagert und aufbewahrt. Zudem wurden auch andere Produkte an diesen Orten gekühlt und es fanden diverse Herstellungsprozesse (zum Beispiel die Eisherstellung) statt, bei welchen Kühlung eine große Rolle gespielt hat. Bis zum 18. Jahrhundert war es aber nur wohlhabenden Bürgern gegönnt, solch ein Bauwerk nutzen zu können.

Bei diesen Eiskellern wurde die konstante Temperatur des Erdbodens von circa. 9 °C ausgenutzt. Dadurch konnte das getrocknete Eis vom Spätwinter bis zum folgenden Sommer gelagert werden.

Folgende Anforderungen gab es bei den Eiskellern. Wichtig war vor allem eine kühle, geschützte und trockene Lage, welche sich in der Nähe der „Verbrauchsstelle“ befand. Außerdem durften keine Fenster vorhanden sein und es sollte eine Sicherung gegen Bodenwärme und die warme Außenluft existieren. Eine Zylinder- oder Halbkugelform des Raumes war ebenfalls von Vorteil. Dies Lag im Vergleich zu einem rechteckigen Raum an einem optimaleren Verhältnis der Oberfläche zum Inhalt. Weiterhin sollte der Eingang nach Norden, so klein wie möglich und hoch angeordnet sein.

Fazit: Wie hat man früher Eis hergestellt?

In der heutigen Zeit ist es durch die Erfindung des Gefrierschrankes und diverser Eismaschinen nicht mehr nur der Oberschicht vergönnt, Eisspeisen genießen zu können. Demzufolge haben nun auch die Eiskeller ausgedient.

Eis ist kein Luxusgut mehr und jedem frei zugänglich. Selbst, wenn es nicht jeder selbst herstellt, gibt es Eis in vielerlei Variationen in jedem Supermarkt zu kaufen. Auch Eiscafes sind in fast allen Städten zu finden. Daher kann jeder, der die Lust auf ein Eis verspürt, diese Lust auch befriedigen. Weiterhin kann gesagt werden, dass die Menschen sich in der Vergangenheit auch ohne eletrische Geräte zu helfen wussten und auch Eis herstellen und essen konnten, davon abgesehen, dass arme Menschen darauf verzichten mussten.

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Selbst die Gegensätze Wüste und Eis sollen in Zukunft verschmelzen, wenn den Vorstellungen des Künstler Ap Verheggen Glauben geschenkt wird. Der niederländische Künstler möchte direkt in der Wüste Eis herstellen, ohne dabei Energie zu benötigen. Es klingt schon sehr bizarr, wenn man sich vorstellt inmitten der knalligen Wüstensonne sich einen Eiszapfen abbrechen zu können. Doch die Vision des Unesco-Kunst-Botschafter Ap Verheggen ist, übergroße Eisskulpturen in der Wüste zu errichten, an denen sich später sogar Eiszapfen bilden.

Letzte Aktualisierung am 14.07.2019 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API